Big Points im Spitzenspiel

Der SC Hessen Dreieich hat am Freitagabend gegen den FC Bayern Alzenau einen Meilenstein im Kampf um den Aufstieg erreicht. Im Flutlichtspiel siegte der Tabellenführer der LOTTO Hessenliga bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gegen den Dritten des Klassements mit 4:0.

Es war das mit Spannung erwartete Spitzenspiel der LOTTO Hessenliga und beiden Mannschaften war schon vor dem Anpfiff anzumerken, dass sie sich viel vorgenommen hatten. So lief das Team der Gastgeber geschlossen mit der Rückennummer 29 ein, um eine Nachricht an den verletzten Kapitän Nico Opper zu senden, der am Dienstag am Meniskus operiert wird. Die Aktion stand sinnbildlich für den Mannschaftsgeist und die Entschlossenheit, mit dem der SCHD die folgenden 90 Minuten bestreiten würde.

Rudi Bommer stellte sein Team im Vergleich zur Vorwoche auf einer Position um: Für Daniele Fiorentino rückte Loris Weiss in die Startelf. Bei Bayern Alzenau vertraute Angelo Barletta der gleichen Truppe, die zuletzt Rot-Weiss Frankfurt „abgeschossen“ hatte.

Die ersten Minuten der Begegnung waren geprägt von großem Willen auf beiden Seiten, einer starken Körpersprache, aber auch einer gewissen Nervosität am Ball. Beide Teams gingen ein hohes Tempo, doch strukturierte Angriffe wollten zunächst nicht gelingen.

Nachdem Bayern Alzenau zu Beginn ein wenig mehr Spielanteile hatte, übernahmen die Gastgeber bald darauf das Kommando und belohnten sich postwendend: Nach einem Ballverlust der Dreieicher, rückte Bayern Alzenau im Konter auf, verlor dann aber im Mittelfeld selbst wieder den Ball. Der Gegenkonter wurde vom formstarken Amiri geführt, der über die linke Seite in den Strafraum kreuzte und im Abschluss cool blieb: 1:0 in der 13. Minute.

Reljic verletzt raus

Geschockt vom frühen Rückstand, suchten die Gäste ihr Heil in harter Zweikampfführung. Das bekam zunächst der Dreieicher Toni Reljic zu spüren, der bei einem aussichtsreichen Angriff über die linke Seite rüde von Markus Auer rasiert wurde. Der 23-jährige Kroate musste nach kurzer Behandlungszeit verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam Routinier Youssef Mokhtari. Markus Auer war seinerseits mit der gelben Karte gut bedient.

In der Folge verschärfte sich die Gangart beider Mannschaften. Der SC Hessen Dreieich ließ sich nicht einschüchtern und antwortete seinerseits mit robustem Einsteigen. Die spielerischen Elemente blieben derweil hüben wie drüben Stückwerk. Bis zum Strafraum wurde teils gefällig kombiniert, spätestens am Sechszehner war allerdings Schluss.

Wenn aus dem Spiel heraus keine Tore fallen, sind es meist Standards, die die Entscheidung bringen. So auch diesmal: In der 42. Minute führte Mokhtari eine Ecke auf der linken Seite kurz aus, Alban Lekaj flankte scharf in den Strafraum und im Fünfmeterraum kam Ljubisa Gavric völlig frei zum Flugkopfball, der rechts neben dem Pfosten einschlug. Mit diesem Nadelstich zum 2:0 ging es zum Pausentee.

Im zweiten Durchgang sahen die über 800 Zuschauer im Hahn Air Sportpark ein ähnliches Spiel wie in den ersten 45 Minuten, wobei der SC Hessen Dreieich mit der Führung im Rücken nun klar Oberwasser hatte. Die gefürchtete Bayern-Offensive war völlig abgemeldet, kein einziger Torschuss sollte an diesem Abend auf das Gehäuse von Alexander Loch abgefeuert werden.

Lekaj macht den Sack zu

Stattdessen war es der Tabellenführer, der für die Vorentscheidung sorgte: In der 64. Minute wurde den Hausherren ein Freistoß aus etwa 20 Metern Torentfernung, halbrechts am Strafraum, zugesprochen. Mokhtari zeigte bei dieser Gelegenheit seine ganze Klasse und schlenzte den Ball über die Mauer in den rechten Knick. Ein Traumtor, Bayern-Keeper Patrick Ruehl hatte keine Abwehrchance.

Das 3:0 sorgte endgültig für klare Verhältnisse. Alzenaus Moral war sichtlich gebrochen, der SC Hessen Dreieich kam nun auch aus dem Spiel heraus zu einigen Chancen. Erst vergab Loris Weiss nach herrlicher Vorarbeit von Daniel Henrich völlig freistehend (68.), dann konnte der eingewechselte Khaibar Amani nur mit letztem Einsatz am Torerfolg gehindert werden (81.).

Die daraus resultierende Ecke besorgte dann aber den vierten und letzten Treffer des Abends: Lekaj brachte die Flanke von der linken Seite halbhoch und scharf an den ersten Pfosten, wo Amiri den Ball mit der Hacke verlängerte und Denis Talijan am zweiten Pfosten dankend abschließen konnte (82.).

Das 4:0 hatte bis zum Schlusspfiff Bestand. Ein deutlicher Sieg des Tabellenführers, der aufgrund der stabilen Abwehr, die keine Chance der Gäste zuließ, und der individuellen Klasse in den entscheidenden Situationen auch in dieser Höhe in Ordnung geht. Der SC Hessen Dreieich vergrößert seinen Vorsprung auf die Verfolger aus Alzenau damit auf 12 Punkte bei einem Spiel weniger. Ein Meilenstein auf dem Weg in die Regionalliga.

(mb)

Stimmen zum Spiel:

Angelo Barletta (Trainer FC Bayern Alzenau): „Ich bin heute sehr enttäuscht, ich habe meine Mannschaft kaum wiedererkannt. Alles was uns ausmacht, das schnelle Kurzpassspiel, Torchancen kreieren und auch die Sicherheit bei Standards, hat gefehlt. Vielleicht war das eine Nummer zu hoch für uns heute. Ich muss dem Gegner ein Riesenkompliment machen, er war top eingestellt, hat uns nie Räume gegeben, war immer einen Schritt voraus. Die haben das Ergebnis auch in dieser Höhe absolut verdient. Für uns kommt die Winterpause gerade recht. Wir müssen uns jetzt erst mal schütteln und dann wollen wir uns im neuen Jahr sammeln und wieder durchstarten.

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Wir hatten im Vorfeld des Spiels schon ein bisschen Probleme, weil ich den Eindruck hatte, dass die Jungs in den letzten drei Spielen nicht so auf der Höhe waren, dass sie nachlässig waren und viele Dinge zugelassen haben. Im Training hat das unter der Woche auch taktisch nicht gepasst, da bin ich ganz ehrlich. Ich habe die Jungs gewarnt, aber ich muss sagen, sie haben mich heute eines Besseren belehrt. Sie haben die Taktik sehr gut umgesetzt. Sie waren sehr konzentriert, haben die Räume genutzt und letztendlich die Tore erzielt. Ich denke, es war unser bestes Spiel bislang hier im Stadion. Großes Kompliment an die Mannschaft.“

 

SC HESSEN DREIEICH – FC BAYERN ALZENAU 4:0 (2:0)

SC Hessen Dreieich Loch – Talijan, Gavric, Lekaj (Mokhtari), Klein – Weiss, Reljic, Alikhil, Henrich, Amiri (Kohl) – Lagator (Amani)
FC Bayern Alzenau Rühl – Kaiser, Sejdovic, Bejic, Zildzovic, Demir (Steigerwald), Jourdan (Bäcker), Bari, Auer (Calabrese), Wilke, Sawaneh
Tore 1:0 Amiri
2:0 Gavric
3:0 Mokhtari
4:0 Talijan
(13.)
(42.)
(64.)
(82.)
Zuschauer 850