Dreieich gibt weiter Vollgas

Der SC Hessen Dreieich hat im ersten Spiel nach dem Aufstiegsverzicht seine Meisterschaftsambitionen unterstrichen: Gegen Rot-Weiß Hadamar siegte der Tabellenführer der LOTTO Hessenliga souverän mit 4:0. Die Vorentscheidung fiel unmittelbar vor der Halbzeit.

Erstmals in 2017 konnte Rudi Bommer die gleiche Startelf ins Rennen schicken, wie am Spieltag zuvor. Hadamars Trainer Florian Dempewolf tauschte auf einer Position: Benjamin Kretschmer kam neu ins Team, für ihn nahm Markus Neugebauer auf der Bank Platz.

Die 386 Zuschauer im Hahn Air Sportpark bekamen eine muntere Anfangsphase zu sehen: Beide Mannschaften starteten mit ordentlichem Tempo und dynamischen Angriffsbewegungen. Gerade als Dreieich nach dem ersten Abtasten die Kontrolle über den Ball zu gewinnen schien, waren es die Gäste aus Hadamar, die das erste dicke Ausrufezeichen setzten: Leon Burggraf hätte nach acht Minuten die Rot-Weiß-Führung erzielen müssen. Er war nach einem Fehler im Spielaufbau der Dreieicher mutterseelenallein in den Strafraum eingedrungen, behielt vor Torhüter Maurice Paul jedoch nicht die Nerven und schob den Ball rechts am Pfosten vorbei.

Wer weiß, welchen Dreh das Spiel bei einer frühen Gästeführung bekommen hätte? So jedoch blieb es beim 0:0 und der Tabellenführer konnte Stück für Stück besser ins Spiel finden. Den ersten Abschluss suchte Alikhil in der 13. Minute, sein Versuch hatte aber nicht genug Power um Hadamars Keeper Christopher Strauch ernsthaft zu prüfen. Wenig später verpasste Tino Lagator in der Mitte eine scharfe Hereingabe knapp (19.). In der 33. Minute konnte der Schuss von Loris Weiss gerade noch zur Ecke abgewehrt werden, bevor Youssef Mokhtari in der 37. Minute mit seinem Freistoß ins rechte Torwart-Eck scheiterte.

Dreieich war in dieser Phase klar am Drücker, fand gegen tief verteidigende Gäste aber kein Durchkommen. Gerade als die Zuschauer begannen, sich mit einem 0:0-Pausenstand abzufinden, überschlugen sich dann aber doch die Ereignisse: Ein unnötiger Rückpass Hadamars wurde von Routinier Mokhtari abgefangen, der in den Strafraum eindrang und durch David Sembene regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Martin Kliebe aus Kassel entschied korrekt auf Strafstoß und zückte zugleich die rote Karte – eine harte Entscheidung, zumal so kurz vor der Pause (42.).

Zubayr Amiri übernahm die Verantwortung, verzögerte seinen Anlauf kurz und schickte Christopher Strauch in die falsche Ecke: 1:0 für die Gastgeber (44.), die nun mit einem Mann in der Überzahl alle Trümpfe in der Hand hielten. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff hätte sogar noch das 2:0 fallen müssen, als Lagator im Zusammenspiel mit Amiri völlig freistehend in der Mitte das leere Tor verfehlte (45+1). Diese Nachlässigkeit blieb für den SCHD allerdings folgenlos, denn kurz nach Wiederanpfiff sorgte Niko Opper für die Vorentscheidung: Nach einer Ecke von rechts kam der Kapitän unbedrängt aus sieben Metern Torentfernung zum Abschluss und versenkte den Ball links unten (48.).

Hadamar war nun sichtlich angeknackst und der Tabellenführer nutzte den Durchhänger um den Sack zuzumachen: Youssef Mokhtari zog von Rechtsaußen samt Ball in die Mitte und spielte einen Doppelpass mit Loris Weiss, der den Ball vom Strafraum aus präzise an den Fünfmeterraum flankte. Dort hatte sich inzwischen Mokhtari hinbewegt, der mit einem Flugkopfball aus vollem Lauf das sehenswerte 3:0 besorgen konnte (53.). Von da an war die Partie gelaufen, Hadamar gab sich zwar nicht auf und fuhr noch den einen oder anderen gefährlichen Angriff, konnte letztendlich aber kein Tor mehr erzielen. Auf der anderen Seite spielte Dreieich seinen Stiefel souverän herunter und hätte bei höherer Konzentration auch noch mehr Tore schießen können.

Immerhin: ein weiteres sollte noch fallen. Alban Lekaj hatte den Ball über die linke Seite nach vorne getrieben und in der Mitte den eingewechselten Khaibar Amani freistehend bedient. Der ließ sich nicht lumpen und vollendete cool zum 4:0-Endstand (84.). Der SC Hessen Dreieich räumte nach dem Aufstiegsverzicht damit alle Zweifel am verbliebenen Ehrgeiz aus dem Weg und marschiert weiter in Richtung Meisterschaft.

Stimmen zum Spiel:

Florian Dempewolf (Trainer Rot-Weiß Hadamar): „Ich finde, wir haben in der ersten Halbzeit ein recht gutes Spiel gemacht. Wir wussten natürlich, dass Dreieich die bessere Spielanlage hat und auch mehr Spielanteile haben würde. Aber wir haben es defensiv ganz gut gemacht. Bis zur roten Karte haben wir keine richtig klare Torchance zugelassen. Es ist natürlich bitter, gerade weil die Mannschaft sich für den Riesenaufwand nicht belohnt hat. Ich denke aber, wenn wir so weiter machen, werden wir auf Platz sechs bis sieben landen. Das wäre für uns ein großer Erfolg. Die 50 Punkte hätte ich noch gerne, es wäre schön, wenn wir die noch erreichen. Und dann wollen wir uns auf das Hessenpokal-Finale gegen Wehen Wiesbaden konzentrieren. Da dürfen uns solche Fehler wie heute kurz vor der Halbzeit aber nicht passieren.“

 

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Es war für uns keine einfache Situation heute. Nach dem Verzicht auf die Regionalliga wussten wir nicht, wie die Mannschaft reagieren würde, ob das vielleicht noch in den Köpfen steckt. Wer mich kennt, oder Ralf und Charly, der weiß, dass wir da nicht locker lassen. Natürlich wollen wir Meister werden. Die Jungs haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben. Das war auch ein Zeichen nach außen. Wir haben gezeigt, dass wir da sind, dass wir nicht resignieren oder in irgendeine Schublade reinkommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die Jungs heute gut ins Spiel gefunden. Der Gegner hat sehr tief gestanden, da gab es sehr wenige Lücken und da muss man geduldig Druck ausüben. Fußball ist eben so, wenn Fehler entstehen bekommt man seine Möglichkeiten und die haben wir heute genutzt.“

(mb)