SC Hessen ringt Neu-Isenburg nieder

Der SC Hessen Dreieich konnte am Freitagabend das Derby gegen die Spvgg. Neu-Isenburg mit 3:0 für sich entscheiden. In einer hart umkämpften und lange Zeit offenen Partie machte die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor den Unterschied. Die Treffer erzielten Joker Loris Weiss sowie Khaibar Amani per Doppelpack. 

Rudi Bommer und Ralf Weber stellten ihre Mannschaft im Vergleich zum Ederbergland-Sieg auf zwei Positionen um: Khaibar Amani rückte für Carlos McCrary zurück in die Startelf und Nikola Mladenovic ersetzte André Fließ (Mandelentzündung) im Mittelfeld.

Die knapp 700 Zuschauer im Neu-Isenburger Sportpark sollten auf ihre Kosten kommen, mussten dafür allerdings ein wenig Geduld aufbringen. In den ersten 45 Minuten gab es nur wenige Strafraumszenen, stattdessen einen zähen Brei aus langen Bällen, harten Zweikämpfen und schnellen Ballverlusten. Marc Schnier hatte nach fünf Minuten mit einem Schuss von links noch die beste Gelegenheit für die Gäste. Auf der Gegenseite konnte Dreieichs Keeper Pierre Kleinheider in der 39. Minute eine Doppelchance vereiteln. So ging es mit 0:0 in die Pause.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff begann dann endlich das Spektakel. Die erste von zwei Schlüsselszenen des Spiels ließ nicht lange auf sich warten: In der 46. Minute kam der Neu-Isenburger Marc Zuege frei vor Kleinheider zum Abschluss, der wiederum lange wartete, glänzend reagierte und den Ball mit dem Fuß zur Ecke klären konnte. Kurz darauf strich ein Drehschuss von Patrick Albert haarscharf am rechten Pfosten vorbei. Glück für den Meister in dieser Phase.

Den zweiten Schlüssel stellte die Hereinnahme von Loris Weiss dar. Wenige Augenblicke später setzte Daniel Henrich mit einer herrlichen Spielverlagerung Niko Opper in Szene. Der Kapitän konnte mit Tempo von rechts in den Strafraum eindringen und legte mit großer Übersicht für eben jenen Weiss auf, der im Zentrum nur noch einschieben musste (57.). Das erlösende 1:0 setzte die Gastgeber unter Druck, die weiterhin mutig nach vorne spielten. In der 62. Minute konnte ein Isenburger Schuss nach haarstäubendem Dreieicher Abwehrfehler gerade noch geblockt werden.

Auf der Gegenseite erzwang der emsige Zubayr Amiri mit einer scharfen Hereingabe einen Eckball. Den brachte Mladenovic von der rechten Seite herein und fand in der Mitte den bis dato verhinderten Torjäger Amani, der per Kopf für die Vorentscheidung sorgte (71.). Die Spielvereinigung war sichtlich angeschlagen, steckte aber nicht auf und kam in der 77., 80. und 87. Minute zu nennenswerten Gelegenheiten, allein das Tor wollte nicht fallen. Abgeklärter zeigten sich einmal mehr die Gäste, die in der Nachspielzeit ihren letzten Konter vergoldeten: Weiss wurde steil geschickt, lief im Eins-gegen-Eins Keeper Lazar Kacarevic an und passte im letzten Augenblick uneigennützig zu Amani, der vor dem leeren Tor leichtes Spiel hatte (90+2).

Der 3:0-Endstand mag ein wenig zu hoch ausfallen und den Spielverlauf mithin nicht realistisch darstellen. Verdient war er aufgrund der größeren Klasse der Dreieicher vor dem Tor und der immensen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit allemal.

Stimmen zum Spiel:

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Neu-Isenburg hat uns das Leben heute sehr, sehr schwer gemacht, insbesondere in der ersten Halbzeit. Wir haben uns den langen Bällen angepasst, was wir eigentlich gar nicht wollten, weil es nicht unser Spiel ist. Man muss auch sagen, dass Neu-Isenburg zunächst die beiden besten Möglichkeiten hatte. Unser Torhüter hat die eine Möglichkeit sehr gut pariert. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel wesentlich breiter angelegt und auch etwas schneller gemacht, so dass der Gegner auch irgendwann müde wurde. Wir hatten im Vorfeld angesprochen, dass wir auf rechts und links in die Nahtstellen reinkommen wollen, mit dem Pass in die Tiefe. Da war die Mannschaft endlich etwas geduldiger. Wir haben auch gut eingewechselt, Loris Weiss stand beim Pass von Niko Opper richtig. Das haben wir die Wochen zuvor noch ausgelassen, heute haben wir’s vollendet. Das ist eine richtig gute Sache und die Liga weiß endlich wieder, dass wir auch da sind.“

Peter Hoffmann (Trainer Spvgg. Neu-Isenburg): „Wir sind in dieses Spiel gegangen und wollten den Zuschauern ehrlichen Fußball bieten. Wir wollten gegen eine starke Mannschaft das Spiel offen gestalten. Wir sind ein bisschen traurig weil wir in der ersten Halbzeit alles richtig gemacht haben, Hessen Dreieich kaum zur Entfaltung haben kommen lassen und – der Knackpunkt – kurz nach der Halbzeit zwei Riesenmöglichkeiten hatten. Wenn man solche Chancen nicht nutzt, kann man gegen eine so starke Mannschaft keinen Sieg oder Punkt holen. Da hätte alles passen müssen. Das Ergebnis war in alle Richtungen möglich. Dass es am Ende 0:3 ausgegangen ist, tut uns Leid. Wir haben nach dem 0:2 nochmal alles versucht, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Heute hatten wir das Quäntchen Glück und vielleicht auch das Können nicht auf unserer Seite. Bei der Abgezocktheit von Hessen Dreieich war ihr Sieg am Ende nicht unverdient.“

(mb)