Kein Sieger im Verfolgerduell

Unentschieden im Spitzenspiel der LOTTO Hessenliga: Der SC Hessen Dreieich und der FC Bayern Alzenau teilten sich beim 1:1 am Abend die Punkte. Die Tore erzielten Khaibar Amani (64.) und Dominique Jourdan (87.). 

Rudi Bommer und Ralf Weber schickten die Mannschaft mit nur einer Veränderung im Vergleich zur Vorwoche aufs Feld: Khaibar Amani ersetzte Tino Lagator im Sturm, der gegen Hadamar einen harten Schlag in die Nierengegend erhalten hatte. Alzenaus Trainer Angelo Barletta musste ebenfalls auf einer Position tauschen: Für den Unglücksraben Salvatore Bari (Kreuzbandriss gegen Neu-Isenburg) rückte Keanu Hagley in die Startelf.

Die Anfangsphase gehörte den Gastgebern. Schon nach zwei Minuten verbuchten die Dreieicher ihre erste gute Chance: Zubayr Amiri kam nach einer Flanke von links außen am zweiten Pfosten frei zum Kopfball, platzierte diesen aber zu mittig und brachte Ioannis Takidis dadurch nicht ins Schwitzen. Loris Weiss (8.) und Abassin Alikhil (13.) kamen ebenfalls zu Abschlüssen aus vielversprechenden Positionen, die allerdings nicht den gewünschten Erfolg brachten.

In der 26. Minute dann das erste echte Lebenszeichen der Bayern: Nach einem Angriff über die linke Seite konnte die Dreieicher Defensive an verschiedenen Stellen nicht die Situation klären, sodass Anthony Wade aus 18 Metern zum Schuss ansetzen konnte. Dieser strich nur Zentimeter am Gehäuse von Pierre Kleinheider vorbei. Die Hausherren kamen ihrerseits in der 33. Minute zu einem Abschluss, der in letzter Sekunde geblockt werden konnte. Der Rest der ersten Halbzeit war leidenschaftlicher Kampf auf beiden Seiten, ohne dass dabei zählbares herausspringen sollte.

Unverändert ging es in die zweite Halbzeit, die sogleich mit der besten Chance des bisherigen Spiels begann: Alzenaus Christopher Krause tauchte im Strafraum frei vor Pierre Kleinheider auf, der mit beherztem Einsatz seine Farben vor dem Rückstand bewahrte (47.). Nur fünf Minuten später war es wieder Krause, der die Gästeführung auf dem Fuß hatte. Sein Schuss unter Gegnerdruck strich jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei (52.) – es war die stärkste Phase der Unterfranken.

In der Folge neutralisierten sich beide Mannschaften weitgehend im Mittelfeld, bis sich Mitte der zweiten Hälfte die Ereignisse überschlugen: Zunächst setzte Alzenaus Aret Demir am Strafraum eine Volleyabnahme um Zentimeter am linken Pfosten vorbei, Kleinheider wäre machtlos gewesen (63.). Dann griff die alte Fußballweisheit bezüglich der ausgelassenen Torchancen. Dreieich konterte im eigenen Stadion über die linke Seite, Loris Weiss marschierte, brachte den Ball scharf in die Mitte und fand dort Amani, der sich nicht zweimal bitten ließ und zum 1:0 einnetzte (64.).

Alzenau geschockt, Dreieich nun mit Oberwasser – aber nicht für lange Zeit. In der 74. Minute packte der verwarnte Daniel Henrich am gegnerischen Strafraum die Grätsche aus und handelte sich damit eine völlig unnötige Ampelkarte ein. Dreieich musste die letzte Viertelstunde in Unterzahl überstehen und tat dies lange wacker. Erwartungsgemäß erhöhten die Gäste den Druck, bis zur 87. Spielminute hielt die Abwehr der Gastgeber. Dann erlöste Dominique Jourdan die Alzenauer mit dem 1:1, nachdem Ljubisa Gavric mit einem Stockfehler in der Vorwärtsbewegung den Gegner zum Kontern eingeladen hatte.

Alzenau witterte nun die Chance mit der vollen Ausbeute den Hahn Air Sportpark zu verlassen und drückte auf das 1:2. Dies bot den Dreieichern Räume. In der 89. Minute kam es zum Konter in Überzahl. Amiri führte das Leder, hätte rechts auf Carlos McCrary oder links auf Abassin Alikhil ablegen können. Stattdessen lief der afghanische Nationalspieler zentral in zwei Verteidiger, die ihn am Strafraum stoppten. Es war die letzte Chance des Spiels, es blieb bei der alles in allem gerechten Punkteteilung.

Die Stimmen zum Spiel:

Angelo Barletta (Trainer FC Bayern Alzenau): „Die ersten zehn, fünfzehn Minuten sind wir nicht so gut ins Spiel reingekommen, da hatte Dreieich mit Amiri eine riesen Tormöglichkeit über außen. Da können wir uns glücklich schätzen, dass sie nicht sehr früh in Führung gegangen sind. Wir haben ein Stück weit Nervosität an den Tag gelegt und haben uns langsam ins Spiel reingekämpft, kamen dann um die 30. Minute zur ersten Tormöglichkeit mit Tony Wade. Trotz allem war ich mit dem 0:0 zur Halbzeit zufrieden. In der 2. Halbzeit haben wir viel mehr Zugriff bekommen. Da hatten wir auch ein leichtes Übergewicht und haben uns zwei sehr gute Tormöglichkeiten erspielt, zweimal mit Chris Krause. Und wie es halt so kommt, kassieren wir postwendend das 1:0. Wenn man hier in Dreieich zurückliegt, bei so einer Topmannschaft, dann muss man sagen:Was da die Mannschaft gezeigt hat, war aller Ehren wert. Ich denke wir haben uns den Punkt hier absolut verdient. Wenn man zum Schluss die Alzenau-Brille aufsetzt, kann man sogar ein Stück weit auf das 2:1 hoffen, aber ich bin mehr als zufrieden mit dem 1:1.“

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Ich bin der Meinung, dass das ein richtig gutes Spiel war, vor allem vom Tempo her – hoch und runter. Da hat auf beiden Seiten keiner einen Raum gelassen. Aber ich bin auch der Meinung, dass wir 30, 35 Minuten in der ersten Halbzeit richtig gut drauf waren. Wir hatten vier gute Möglichkeiten um das Tor zu erzielen. Wiederrum hatte Alzenau einen sehr guten Schuss aus der zweiten Reihe. Ich denke, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht ganz so gut rausgekommen sind. Da hat man auch gesehen, dass die Kraft ein wenig nachlässt beim einen oder anderen. Gerade die letzten Wochen im Oktober waren nicht ganz einfach für uns, wir sind viermal über drei Stunden im Bus unterwegs gewesen. Von daher muss ich sagen: Nach der gelb-roten Karte haben die Jungs alles auf den Platz gebracht, was noch geht. Nur darfst du solch eine gelb-rote Karte nicht bekommen. Wir haben gerade einen anderen Spieler vorbereitet und hatten mit Daniel Henrich gesprochen, dass er das ruhiger angehen soll. Und dann machst du da so ein Ding am gegnerischen Strafraum. Zum Schluss haben wir noch einen riesen Konter, warum Zubayr den nicht ausspielt, kann ich auch nicht nachvollziehen. Da werden wir auch noch drüber reden. Das sind Situationen, in denen du auch in Unterzahl noch etwas machen kannst. Alzenau hat uns alles abverlangt und wenn du deine Dinger in der ersten Halbzeit liegenlässt, gehst du auch nur mit einem Punkt nachhause.“

(mb)