Gavrics Freistoß-Fackel dreht das Spiel für Dreieich

Der SC Hessen Dreieich hat sein Heimspiel gegen Rot-Weiss Hadamar gewonnen. Bei sommerlichen Temperaturen auf dem Ausweich-Gelände in Dreieich-Offenthal konnte der Tabellenführer einen frühen Rückstand drehen und siegte am Ende ebenso verdient wie deutlich mit 7:1. Die Tore erzielten Amiri, Gavric, Lagator (2), Talijan, Schnier und Böttler.

Rudi Bommer und Ralf Weber konnten aus dem Vollen schöpfen und zum vierten Mal in Folge die gleiche Startelf ins Rennen schicken. Dreieich mit druckvollem Beginn, sehr präsent in den Zweikämpfen und der ersten Groß-Chance schon in der 4. Minute, als Loris Weiss aus bester Torentfernung das Spielgerät an die Unterkante der Latte hämmerte. Zwei Minuten später hätte Tino Lagator die Führung besorgen können, scheiterte aber im Eins-gegen-Eins an Hadamars Keeper Christopher Strauch.

Genau in diese Dreieicher Druckphase setzte Hadamar den ersten Nadelstich. Nach feinem Pass in die Schnittstelle der Abwehr zögerte Pierre Kleinheider im Dreieicher Tor einen Augenblick zu lange und holte Stürmer Jann Bangert von den Beinen, anstatt den Ball zu parieren. Den fälligen Strafstoß verwandelte Hadamar-Kapitän Benjamin Kretschmer cool unten rechts (9.).

Dreieich von diesem Rückschlag nicht lange geschockt, Zubayr Amiri kam in der 13. Minute aussichtsreich im Strafraum an den Ball, vertändelte den diesen beinahe, wurde dann aber rabiat von den Beinen geholt, so dass Schiedsrichter Gahis Safi aus Erlensee erneut auf den Punkt zeigte. Der Gefoulte nahm selbst Maß und wählte ebenfalls die Ecke unten rechts, Strauch ahnte zwar die richtige Seite, konnte den scharf geschossenen Ball aber nicht halten – 1:1 (14.).

In der 17. Minute dann der Wendepunkt der Partie: Hadamars Patrick Kuczok holte Lagator 30 Meter vor dem eigenen Kasten als letzter Mann von den Beinen, der Schiedsrichter erkannte auf Notbremse und schickte den Gäste-Verteidiger zum Duschen vom Platz. Nach kurzer Behandlungspause ereilte Hadamar die Höchststrafe, den fälligen Freistoß jagte Ljubisa Gavric mit großer Wucht direkt zum 2:1 in die Maschen (19.).

Das Spiel gedreht, der Gegner in Unterzahl – Dreieich hatte nun alle Fäden in der Hand und konnte durch Lagator in der 33. Spielminute auf 3:1 erhöhen. Kurz zuvor kam Marc Schnier für den verletzungsbedingt ausgewechselten Loris Weiss (31). Der 21-Jährige wird aufgrund einer Syndesmoseband-Verletzung für den Rest der Saison ausfallen. Mit Ausnahme eines Lagator-Kopfballs nach Flanke von André Fließ (39.) sowie einem Schuss von Alban Lekaj (45.) gab es im ersten Durchgang nichts mehr zu sehen.

Die zweite Hälfte begann wesentlich verhaltener als die erste. Ein Abschluss durch Hadamars Marius Löbig in der 57. Minute war die einzig erwähnenswerte Szene der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff, konnte aber von Kleinheider problemlos pariert werden. Kurz darauf wurde Fließ nach Zusammenspiel mit Amiri und Lagator im letzten Augenblick am Abschluss gehindert (61.).

Dreieich nun wieder mit mehr Drang nach vorne. Vier Minuten später war es erneut Fließ, der nach Vorarbeit von Lagator frei zum Abschluss im Strafraum kam, den Ball aber nur ans Außennetz schlenzte (65.). Die 350 Zuschauer in Offenthal hatten den Torschrei auf den Lippen, mussten aber nur eine Minute warten, bis sie ihrer Freude tatsächlich freien Lauf lassen konnten. Dann schlug ein Pfund von Innenverteidiger Denis Talijan aus der zweiten Reihe zum 4:1 im Gästetor ein (66.).

Die Messe war gelesen, Auflösungserscheinungen nun bei den Mittelhessen. Mohamed Zouaoui verschätzte sich in der 71. Minute bei einer hohen Hereingabe, Schnier stand goldrichtig und verwertete den Ball direkt. Zwei Minuten darauf vollendete Lagator einen Amiri-Konter souverän zum 6:1 (73.), in der 83. stellte der eingewechselte Yves Böttler per Kopf nach einer Lekaj-Flanke sogar auf 7:1.

Dabei blieb es, Schiedsrichter Safi pfiff pünktlich ab. Durch den auch in der Höhe verdienten Kantersieg macht der SC Hessen Dreieich im Meisterschaftsrennen einen gewaltigen Schritt nach vorne, aus den verbleibenden drei Spielen reicht dem Titelverteidiger nunmehr ein einziger Punkt.

Stimmen zum Spiel:

Torsten Kierdorf (Trainer SV Rot-Weiss Hadamar): „Es ist schwierig nach einem 7:1 die richtigen Worte zu finden. Wir haben es eigentlich gut gemacht, hätten aber auch schon 2:0 hinten liegen können. Wir machen dann aber das 1:0. Wir wussten, wenn wir Fehler machen, werden die bestraft. Beim 1:1 müssen wir den Ball hinten rausköpfen, köpfen stattdessen den Gegenspieler an und kriegen einen Konter. Beim 2:1 ist es ein Abstoß für uns, der nicht weit genug kommt, wir kriegen den Gegenkonter, kriegen die rote Karte und der Freistoß geht auch noch rein, also doppelt gestraft. Mit zehn Mann gegen so eine Mannschaft, die fußballerisch Riesenqualitäten hat, ist es dann schon eigentlich gelaufen. Wir haben alles versucht, haben auf Dreierkette umgestellt, die Jungs sind gelaufen, aber unter dem Strich ist das 7:1 hochverdient.“

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Wir haben im Vorfeld großen Respekt gehabt vor Hadamar. Wir sind trotzdem sehr gut ins Spiel gekommen, wir hatten gleich zwei gute Möglichkeiten, wo du direkt das 1 oder 2:0 machen kannst. Dann kann so ein Spiel kippen, wenn du deine Tore nicht machst und so ist es dann fast gekommen. Wir sind unachtsam gewesen und haben zurecht den den Elfmeter gegen uns bekommen haben. Das sind Situationen, die man abstellen muss. Aber die Jungs haben immer wieder versucht einen Gang höher zu schalten, wir hatten dann noch genug Möglichkeiten Tore zu erzielen. Was mich besonders gefreut hat: dass beide Innenverteidiger getroffen haben. Die haben einen brutalen Schuss am Leib und wenn sie dann den Oberkörper über den Ball bringen und solche Dinger abfackeln wie heute – das hat mich einfach gefreut. Lehnerz hat heute auch gewonnen, wir brauchen aus drei Spielen noch einen Punkt und das ist, denke ich, machbar.“

(mb)