SC Hessen verliert Wahnsinnsspiel in Elversberg

Es ist unglaublich: Nach zweimaliger Führung verliert der SC Hessen Dreieich bei der Sportvereinigung 07 Elversberg mit 3:4 und steht nach großem Kampf letztlich wieder mit leeren Händen da. Überragender Spieler beim SCHD war Danny Klein, der die „Elv“ von Trainer Roland Seitz mit drei Toren im Alleingang abzuschießen schien.  

Das Trainergespann Rudi Bommer und Ralf Weber veränderte seine Startaufstellung im Vergleich zum Sieg gegen Homburg auf zwei Positionen. Für Landu und den gelb-rot gesperrten Streker standen Nico Seegert und Neuzugang Constant Djakpa in der Startelf. Das Abtasten der beiden siegreichen Teams der Vorwoche währte nur kurz, bevor sich eine fulminante Startphase des Spiels entwickeln sollte.

In der siebten Spielminute kam es zur ersten Schrecksekunde, als Nico Seegert den Ball vor dem eigenen Sechzehner verlor und Kevin Koffi allein aufs Tor zulaufen konnte. Torwart Pierre Kleinheider reagierte geistesgegenwärtig, kam aus seinem Kasten, verkürzte den Winkel und überraschte den Stürmer, dessen unplatzierter Heber genau auf den Dreieicher Schlussmann kam. Im direkten Anschluss machte Seegert seinen Fehler wieder gut, indem er kurz vor der Linie per Kopf klären konnte.

Dreieich schüttelte sich kurz, Danny Klein bekam den Ball auf der linken Außenbahn, guckte den Elversberger Keeper Frank Lehmann aus und schlenzte den Ball prächtig in den rechten oberen Torwinkel (11.). Ein Tor wie gemalt vom Fanliebling des SCHD.

Elversberg reagierte mit wütenden Gegenangriffen. In der 12. Minute verfehlte ein abgefälschter Schuss von Koffi nur knapp das Gehäuse der Gäste, in der Folgeminute setzte Manuel Feil den Ball an den Pfosten und wieder eine Minute später hätte Dreieich sich nicht beschweren dürfen, hätte es nach einem Einsatz gegen Koffi den Elfmeterpfiff gegeben. Die Pfeife von Schiedsrichter Michael Kimmeyer blieb allerdings stumm.

Auch im Anschluss blieben die Hausherren am Drücker, in der 19. Spielminute konnte Kleinheider einen Distanzschuss von Feil nur mit Mühe klären, nachdem die SVE sich schon zuvor mehrfach in den Strafraum der Gäste kombiniert hatte. Zwei Minuten später klärte der bereits jetzt vielbeschäftigte Gästekeeper erneut gegen den umtriebigen Koffi, bevor erneut Klein den Spielverlauf auf den Kopf stellte.

Aus knapp zwanzig Metern zentraler Position hielt der Fanliebling nach 21 Minuten einfach drauf, sein abgefälschter Schuss überraschte Torhüter Lehmann und kullerte unhaltbar zum 0:2 ins rechte untere Eck.

Elversberg übernahm ohne zu zögern erneut die Kontrolle und wollte umgehend zurückschlagen. Dies wäre durch einen sehenswerten Freistoß von Alban Meha auch fast gelungen, der Torjubel der Heimfans kam allerdings verfrüht – der Schuss verfehlte das Gästetor knapp und brachte das Tornetz lediglich von außen zum Wackeln.

Die Saarländer bauten nun ein Powerplay in Handballmanier um den Strafraum der Hessen auf, fanden aber zunächst keine aussichtsreiche Abschlusssituation, bevor Kevin Pezzoni einen gefährlichen Schuss von Koffi zur Ecke ablenken konnte (29.).

Nach einer halben Stunde verschaffte sich das Team vom an der Seitenlinie vehement und lautstark coachenden Rudi Bommer erstmals wieder etwas Luft, Elversberg ließ jedoch nicht locker und versuchte die Gäste erneut einzuschnüren. Diese Angriffsbemühungen führten in der 34. Minute schließlich zum Erfolg, als Kevin Pezzoni eine Hereingabe von Nils Winter unhaltbar für Kleinheider am Schlussmann vorbei ins eigene Gehäuse lenkte.

Nun wollten die Gastgeber mehr und drängten auf den Ausgleich, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als unverdient gewesen wäre. Und dieser ließ nicht lange auf sich warten, nach einem elfmeterreifen Foul von Uwe Hesse, der sich dafür die gelbe Karte abholte, an Lukas Kohler verwandelte Oliver Stang den fälligen Strafstoß zum 2:2 Ausgleich (44.).

Elversberg wollte das Spiel jetzt noch vor der Pause drehen, trotz wütenden Protesten blieb ihnen ein vermeintlicher Handelfmeter in der Nachspielzeit der ersten Hälfte allerdings verwehrt. Die anschließende Ecke köpfte Mike Eglseder weit übers Ziel, bevor Schiedsrichter Kimmeyer die Achterbahnfahrt der ersten Hälfte unter Applaus der SVE-Fans mit dem Halbzeitpfiff beendete.

Zum Wiederanpfiff des Spiels schickte Bommer Zubayr Amiri für Uwe Hesse aufs Feld, die „Elv“ aus dem Saarland blieb unverändert. Der zweite Abschnitt begann wie der erste geendet hatte, die Hausherren drängten auf einen weiteren Treffer. Einen aussichtsreichen Freistoß von halbrechts brachte Meha jedoch zu schwach aufs Dreieicher Tor und konnte Kleinheider somit vor keine größeren Probleme stellen (48.). Eine Minute später entwickelte Meha mehr Torgefahr, als er zentral aus der Distanz nur knapp scheiterte.

In der 51. Minute war Schluss für Seegert, der im eigenen Strafraum mit Dominic Rau zusammengeprallt war und kurz darauf durch Daniel Henrich ersetzt wurde. Das Spiel beruhigte sich nun etwas, der SC Hessen löste sich aus der Umklammerung der Gastgeber und kombinierte sich über die rechte Seite sehenswert in Richtung der gegnerischen Gefahrenzone. Abassin Alikhil spielte den Ball von dort aus überlegt in die Mitte, in welcher Klein lauerte und den Ball zum 2:3 in den Elversberger Kasten stocherte (55.). Das dritte Tor der Nummer 14 in weniger als einer Stunde und somit der historische erste Dreierpack eines Spielers des SC Hessen Dreieich in der Regionalliga.

Die SVE reagierte umgehend, in der 60. Spielminute flankte Meha auf Kohler, der die Kunststoffkugel sehenswert aufs Tor köpfte, Kleinheider aber reagierte überragend und kratzte den Abschluss aus dem Winkel. Zwei Minuten später versuchte der Trainer der Saarländer, Roland Seitz, mit Israel Suero Fernandez für Feil einen neuen Reiz zu setzen, um den erneuten Ausgleich zu erzwingen.

Dies umzusetzen versuchte zunächst Kohler aus spitzem Winkel und kurzer Distanz (64.), fand aber seinen Meister im wieder hellwachen Kleinheider, der den Winkel geschickt verkürzte und das kurze Toreck absicherte. Nach 70 Minuten stand Meha auf Höhe des Elfmeterpunkts komplett blank, die ihm zugedachte Hereingabe antizipierte Niko Opper allerdings gedankenschnell und konnte den Ball klären.

In der 72. Minute brachte nun Gästecoach Bommer mit Tino Lagator für den kampfstarken Kai Hesse eine frische Kraft aufs Feld, nachdem Eglseder den nächsten Kopfball über das Tor gesetzt hatte. Besser machte es Koffi, der seinen platzierten Kopfball nach Flanke von Nils Winter unhaltbar für Kleinheider zum 3:3 unter die Latte bugsierte (74.). Nach 79 Minuten musste Sinan Tekerci eigentlich die erste Führung der SVE nachlegen, aus aussichtsreicher Position und Nahdistanz gelang es ihm allerdings den Ball über den Kasten der Gäste zu schießen.

In der 83. Minute versuchte Coach Seitz mit Kevin Lahn für den weitestgehend blassen Tekerci noch einmal frischen Wind in die Offensive zu bringen, wovon sich der SC Hessen Dreieich zunächst unbeeindruckt zeigte und die Gastgeber weitestgehend aus dem Gefahrenbereich halten konnte. Im Bestreben nach zweimaliger Führung nicht mit leeren Händen zurückzukehren versuchten die Gäste nun das Unentschieden zu halten und beschränkten sich auf Gefahrenabwehr.

Zwei Minuten vor Spielende kam Lagator zu einem Entlastungskonter und brach durch, verlor allerdings auf dem Weg zum Tor den Mut und musste sich den Ball von den herbeigeeilten Defensivspielern abnehmen lassen.

Den Fans der Saarländer war es nun genug, mit Sprechchören („Roland geh nach Haus“) forderten sie die Entlassung ihres Trainers. Dessen Jungs steckten dennoch nicht auf und kamen in der vierten Minute der Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff noch zum 4:3 Heimsieg, als Luca Dürholtz nach einer Ecke einschob.

Ein irres, anarchisch geführtes Spiel fand somit seine wahnwitzige Schlusspointe.

Stimmen zum Spiel:

Rudi Bommer (SC Hessen Dreieich): „Elversberg ist eine starke Mannschaft, die zu Unrecht ganz unten steht, sie haben eine reifere Spielanlage. Wir waren dennoch sehr gut im Spiel, haben unsere Räume bekommen und gut genutzt, das hatten wir so trainiert. Wir gehen 2:0 in Führung, verlieren dann zwanzig Minuten lang den Faden, was wir auch von außen nicht bereinigen konnten, sodass Elversberg zum Ausgleich kommt. Das konnten wir in der Halbzeit korrigieren, haben den Faden wieder sehr gut aufgenommen und einen richtig guten Konter gesetzt. Wir wussten aber auch, dass die Kräfte zum Ende schwinden werden, da wir schon früh zum Wechseln gezwungen waren. So kamen wir dann unter Druck. Der Schiedsrichter hat Überlänge spielen lassen, das haben wir mitgestoppt. Trotzdem: Wenn du drei Tore auswärts schießt, musst du was mitnehmen, das war auch ein stückweit Naivität. Das war bitter für die Jungs und tut mir auch leid, sie haben alles auf den Platz gebracht und gehen dann mit leeren Händen nach Hause. Glückwunsch an Elversberg.“

Roland Seitz (SV 07 Elversberg): „Wir haben seit Langem wieder Fußball gespielt, über 90 Minuten den Ball am Boden gehalten. Nach fünf Minuten müssen wir durch Koffi in Führung gehen, gehen stattdessen in Rückstand. Danach bäumen wir uns auf, schießen an den Pfosten und bekommen auf der anderen Seite noch ein Tor. Wir haben dann ein 0:2 und 2:3 gegen tief und kompakt stehendende Dreieicher aufgeknackt. Es tut mir Leid für Rudi, aber wir haben viel leiden müssen in den letzten Wochen, diesmal hatten wir zum Schluss das Glück in der Nachspielzeit noch zu gewinnen, das freut mich für die Jungs.“

(tw/ms)

 

 

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