Im ersten Türchen steckt der Auswärtssieg

Der SC Hessen Dreieich gewinnt sein Auswärtsspiel gegen den Tabellenzweiten TSV Steinbach Haiger aufgrund einer starken kämpferischen Leistung verdient mit 1:0 und feiert damit nach mehr als vier Monaten Ligazugehörigkeit seinen historischen ersten Auswärtsdreier in der Regionalliga Südwest. Das Tor für den SC Hessen erzielte Toni Reljic kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit.

Im Vergleich zu der unglücklichen Niederlage im Flutlichtspiel gegen den TSV Eintracht Stadtallendorf wechselte der Dreieicher Trainer Rudi Bommer auf drei Positionen. Anstelle von Zubayr Amiri, Dominik Rau und Angreifer Tino Lagator wurden Loris Weiss, Eduardo Mateus und Sturmspitze Kai Hesse in die Startelf beordert. Der SC Hessen Dreieich versteckte sich in den Anfangsminuten keinesfalls und kombinierte sich ansehnlich in die Hälfte der Gastgeber. In der sechsten Spielminute zwang das Pressing der Dreieicher den Steinbacher Torwart Tim Paterok zu einer Unsicherheit, die jedoch von der heranstürmenden Offensivreihe des Aufsteigers nicht ausgenutzt werden konnte.

In der zehnten Spielminute verzeichneten die hellwachen Gäste schließlich den ersten gefährlichen Torabschluss. Uwe Hesse schickte Loris Weiss auf der linken Außenbahn in die Tiefe, welcher in den Strafraum vorstoßen konnte und die Kugel nur knapp neben den rechten Pfosten setzte. Zwölf Minuten waren gespielt, da folgte der erste Nadelstich des TSV, nachdem sich Fatih Candam gegen die Gästeabwehr durchsetzte, letztendlich aber am herausstürmenden Keeper Pierre Kleinheider scheiterte. Der Kopfball von Sasa Strujic segelte infolge der anschließenden Ecke weit über das Tor.

Dreieich reagierte auf die erste Möglichkeit der Steinbacher keinesfalls geschockt und spielte weiter munter nach vorne. Nach einem Steilpass auf Loris Weiss (13. Minute) legte dieser im Strafraum auf Toni Reljic ab, dessen Flachschuss nur knapp am Gehäuse vorbeiflog. Nach der stürmischen Anfangsphase mit besten Gelegenheit auf beiden Seiten beruhigte sich die Begegnung etwas. Spielerisch gestalteten beide Mannschaften vor 1.227 Zuschauen eine Partie auf ansehnlichem Niveau.

In der 22. Minute war es dann Reljic, der das runde Leder etwas unverhofft eroberte und seinen Sturmlauf auf den gegnerischen Kasten nicht mit Erfolg krönen konnte, da der Ball nur Zentimeter neben dem linken Pfosten die Torauslinie überquerte. Nach 29 Zeigerumdrehungen konnten sich die Mittelhessen den nächsten Torabschluss erarbeiteten: Kamm Al-Azzawes‘ wuchtiger Kopfball im Anschluss an eine Ecke landete in den Armen von Kleinheider.

Die Gastgeber erspielten sich nun ein leichtes optisches Übergewicht und der Aufsteiger konnte sich glücklich schätzen, dass ein Tor des TSV in der 33. Spielminute wegen eines Foulspiels in der Entstehung zurückgepfiffen wurde. Nun ging es Schlag auf Schlag. Keine 120 Sekunden später schoss Timo Kunert die Kugel aus aussichtsreicher Position über den Kasten von Kleinheider. Der SCHD konzentrierte sich in dieser Phase vermehrt auf die Defensive, um die Angriffe der Steinbacher abzuwehren. Dass sie dennoch immer für Gefahr sorgen konnten, bewies ein mustergültiger Konter in der 36. Spielminute, an dessen Ende Abassin Alikhil jedoch mit einem Flachschuss in Person des heimischen Schlussmannes Paterok seinen Meister fand.

Den hitzigen Angriffen der ersten Halbzeit Tribut zollend, beruhigte das Spiel sich in der Folge etwas und die gute Schiedsrichterin Katrin Rafalski bat beide Mannschaften pünktlich nach 45 Minuten zum Pausentee. Beide Mannschaften zeigten den Zuschauern im Sportzentrum Haarwasen phasenweise ein fesselndes Offensivspektakel, dem bisher nur die Tore fehlten. Während Dreieich seine Chancen vermehrt in der Anfangsphase verzeichnen konnte, kam der TSV Steinbach-Haiger danach besser in die Partie und wies ebenfalls eine gute Chancenausbeute vor.

Insgesamt ein verdientes Remis zur Halbzeit, mit Vorteilen für die Gastmannschaft aus dem Landkreis Offenbach. Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag: Loris Weiss setzte sich kurz nach Wiederanpfiff auf der linken Außenbahn durch, zog im Stile von Arjen Robben in die Mitte und legte auf Spielmacher Reljic ab, der das runde Leder aus zwanzig Metern krachend im rechten unteren Toreck unterbringen konnte. 0:1!

Der TSV erhöhte daraufhin die Schlagzahl und antwortete mit wütenden Angriffen, die von der Dreieicher Defensive jedoch abgeblockt wurden. Die Offensive der Hausherren ließ nicht nach, ein Freistoß von der linken Außenbahn (57.) segelte gefährlich vor den Dreieicher Kasten, die Abnahme von Tim Welker konnte jedoch nicht im Tor untergebracht werden. Die Gäste konzentrierten sich aufs Kontern und wussten durchaus zu überzeugen: Der stark aufspielende Loris Weiss schickte Reljic auf die Reise, der die Kugel jedoch freistehend aus bester Position über den Querbalken setzte.

Die Heimmannschaft gestaltete auch weiterhin das Spiel, doch die Männer vom Bürgeracker verzeichneten die besseren Möglichkeiten. In der 70. Spielminute verlor der TSV den Ball in der Vorwärtsbewegung und Kai Hesse tauchte völlig frei vor dem Steinbacher Schlussmann auf, scheiterte allerdings erneut am starken Keeper der Gastgeber. Es grenzte zu diesem Zeitpunkt an ein Wunder, dass im Spiel erst ein Schuss den heute scheinbar vernagelten Weg über die Torlinie finden konnte.

Die Partie wurde nun etwas hektischer und viele kleine Unterbrechungen störten den schwungvollen Spielfluss. Infolge des kurzen spielerischen Zwischentiefs setzte Steinbach seinen Sturmlauf fort, wusste jedoch gute Chancen von Florian Heister (72-+73.) nicht zu nutzen. Das Spiel auf ein Tor setzte sich auch weiterhin fort. So war es Moritz Göttel, dessen Kopfball nach einer Flanke von der linken Außenbahn nur knapp über die Torlatte strich. Dreieich konnte sich in dieser Phase glücklich schätzen, dass die Führung weiter Bestand hatte.

Der nächste Konter der Männer vom Bürgeracker wurde kurz darauf erneut brandgefährlich gestaltet. Kai Hesse eroberte noch in der eigenen Hälfte die Kugel und sprintete wie ein junger Usain Bolt auf den gegnerischen Kasten zu. Leider fand er zum wiederholten Male im Steinbacher Keeper seinen Meister. In der hitzigen Schlussphase vergab Shqipon Bektasi die aussichtsreichste Chance der Hausherren, indem er freistehend aus zwei Metern an dem wieder einmal stark aufspielenden Torhüter Kleinheider scheiterte.

Kurz darauf pfiff Schiedsrichterin Rafalske diesen unterhaltsamen Schlagabtausch ab. Der SC Hessen feiert somit seinen ersten Auswärtssieg in der Regionalliga Südwest. Aufgrund der besseren Möglichkeiten in den ersten 45 Minuten und durch brandgefährliche Konter in der 2. Halbzeit geht dieser Sieg auch spielerisch völlig in Ordnung. Der TSV Steinbach warf im 2. Durchgang alles nach vorne, verpasste jedoch trotz zahlreicher Chancen den Ausgleich.

Stimmen zum Spiel

Rudi Bommer (Trainer SC Hessen Dreieich): „Wenn ich ganz ehrlich bin, hatten wir im Vorfeld Probleme mit einigen Spielern, die wir hätten brauchen können und daheim lassen mussten. Ich hatte auf dem Weg hierher kein gutes Gefühl. Ich habe der Mannschaft dann mit auf den Weg gegeben, dass wir gegen Homburg, Ulm und Saarbrücken gut gespielt und gepunktet haben und dass uns Tabellenzweite liegen. Das heute war unser stärkstes Auswärtsspiel, taktisch und spielerisch. Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass wir das, was wir letzte Woche haben liegen lassen heute mit nach Hause nehmen können.

Ralf und ich haben eben in der Kabine ein wenig gefachsimpelt und freuen uns besonders darüber, dass wir eine gewisse Ruhe im Spiel hatten. Ich bin umso glücklicher, dass wir drei Punkte gegen so einen starken Gegner mitnehmen. Jetzt haben wir im letzten Spiel wieder einen starken Gegner vor der Brust. Wir werden gegen Mannheim bis zum letzten Atemzug kämpfen und was holen.“

Matthias Mink (Trainer TSV Steinbach): „Das war unser letztes Heimspiel 2018, ich muss erst einmal ein Fazit über das Sportjahr ziehen, was sehr erfolgreich gestaltet werden konnte. Ich will die Neiderlage heute kurz zur Seite schieben, und mich bei den tollen Fans für die Unterstützung in diesem Jahr, gerade beim Hessenpokalfinale, bedanken. Der Weg hier ist vorgezeichnet. Zum Spiel: Klar verdienter Sieg, das haben alle gesehen. Hessen Dreieich hätte schon in der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen. Klar hatten wir die eine oder andere Möglichkeit, vermehrt nach Standardsituationen, mit etwas Schussglück machen wir das Tor.

Insgesamt waren wir zu fahrig, zu pomadig in der ersten Halbzeit. Wir haben dem Gegner die zweiten Bälle ermöglicht, waren nicht Herr der Lage. Wichtig war zur ersten Halbzeit, dass die Null stand. Wir wollten nach der Pause Rhythmus aufnehmen und ein anderes Gesicht zeigen. Wir haben Korrekturen vorgenommen, dann fällt das 0:1, nachdem zwei Spieler ausrutschen. Klar, das war ein bisschen unglücklich, hinten raus haben wir alles probiert, offensiv gewechselt und kamen zu Chancen, hatten allerdings kein Schussglück. Wenn du eine Spitzenmannschaft sein willst, musst du offensiv wie defensiv mehr Qualität aufs Feld bringen, um höchstes Niveau zu erreichen. Jetzt gilt es den FSV Frankfurt nächste Woche zu schlagen, daran werden wir arbeiten.“

(bb/tw)

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