Es geht (auch) um die Wurst (3): Offenbach, Freiburg, Steinbach

Seit einem halben Jahr wird der noch junge SC Hessen Dreieich in der Regionalliga-Südwest vorstellig und besucht auf seiner Mission Nichtabstieg die verschiedensten Städte und Stadien – stets gefolgt von einem Team von Betreuern, Verantwortlichen, Mitarbeitern und einem Tross lautstarker Fans. Dabei empfangen gastfreundliche Mitbewerber unseren Tross, der stets neue Erlebnisse und Geschichten mitbringt. Nach einer oft langen Busfahrt folgt dem Hunger nicht selten der Gang zum Wurststand. Denn sie gehört zum Fußball wie die gute Stimmung im Stehblock, das obligatorische Stadionbier oder der Senffleck auf dem Trikot der Hardcore-Fans: die Stadionwurst. Wir haben unseren Bratwurst-Experten Tobias Weis in die Stadien des südwestlichen Amateuroberhauses und dort vor allem an die Wurstbuden  geschickt und Eindrücke gesammelt. In Teil 3 von 3 berichten wir über Stimmung und Bratwurst in Offenbach, Freiburg und Steinbach!

Kickers Offenbach

Nicht Regionalliga, sondern der Hessenpokal stand am Abend des 23. Oktober auf dem Programm des SC Hessen Dreieich, der ersatzgeschwächt in das Spiel „um die Ecke“ bei den Offenbacher Kickers gehen sollte. Nach der Ankunft und ein paar Fotos aus dem eindrucksvollen Stadion auf dem Bieberer Berg ging es unter die Tribüne, um dort an einem der Wurststände die obligatorische Bratwurst zu verzehren. Äußerlich machte die Offenbacher Bratwurst nicht viel her. Nur leicht braun gebraten wurde sie unter einer Alufolie auf dem Gasgrill hervorgeholt. Aber was will man machen, wenn man pro Spiel rund 5.000 hungrige Gäste verköstigen muss? Ich musste zugeben, innerhalb des etwas weichen Brötchens sah die Bratwurst auch gar nicht so schlecht aus und war geschmacklich solide mit einer guten Mischung aus Pfeffer, Salz und Kräutern. Für einen Platz im oberen Drittel der Regionalliga dürfte es trotzdem nicht reichen, wenngleich das Catering insgesamt mit Fischbrötchens im Angebot aufgrund der Einzigartigkeit einen Zusatzpunkt sammeln konnte. Nebenbei gewann der SC Hessen Dreieich durch zwei Tore von Danny Klein bei den Kickers aus Offenbach mit 2:1 und zog damit ins Halbfinale des Hessenpokals ein.

SC Freiburg II

Letztes Jahr in der Hessenliga wären zwei Stunden Autofahrt noch eine lange Reise gewesen, in der Regionalliga war sie inzwischen alltäglich geworden. Am 4. November 2018 ging es für den SCHD zum vorletzten Spieltag der Hinrunde ins Möslestadion. Zwischen der Dreisam und den Bergen des Schwarzwaldes kann es nur eine gute Bratwurst geben, dachte ich. Im weichen Baguettebrötchen serviert, holte ich mir am Stand für 2,50 Euro die mittlerweile längst zur Standardbewaffnung zählende Stadionwurst, die zu meiner ersten Verwunderung weniger einer Bratwurst, sondern eher einer Krakauer-Frankfurter-Würstchen-Mischung glich. Eine Art Brühwurst im weichen Baguettebrötchen serviert mit einer leichten Pfeffernote. Leider reihte sich die in viel Fett gebratene Freiburger Stadionwurst in der unteren Tabellenhälfte der Regionalliga ein, was viele der über 50 mitgereisten Fans bestätigten. Die Gastfreundlichkeit der Freiburger konnte allerdings vieles wettmachen, wozu auch das nicht ganz erfreuliche Spiel mit dem zweifachen „Kacktor des Monats“ zählte. Nach knapp zwei Monaten ohne Niederlage musste der SCHD die Heimfahrt aus Freiburg seit langem wieder mit null Punkten antreten.

TSV Steinbach Haiger

Die Hinrunde war geschafft, mit der Heimniederlage gegen Stadtallendorf der erste Dämpfer der Rückrunde abgeholt und viele diskutierten auf der Hinfahrt nach Haiger über die Höhe der Niederlage beim Topteam des TSV Steinbach. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so hoffte ich nach dem Freiburg-Schock auch wieder auf eine gute Stadionwurst. Schon der Blick auf die vielfältigen Angebote am Essensstand ließ mich erstmals die Augenbrauen hochziehen. Feine und grobe Bratwurst, Rindswurst und Feuerwurst – nur um mal das Wurstangebot zu nennen – bietet der TSV Steinbach Haiger an. Obwohl mir die Auswahl schwer fiel, entschied ich mich aufgrund der Vergleichbarkeit sowohl für die feine, als auch für die grobe Bratwurstvariante. In einem knusprigem Brötchen mit weichem Kern serviert, präsentierte sich die feine Bratwurst optisch dünner und länger als die grobe Variante, bestach durch eine rote Farbe und war gut dunkel gebraten. Die Wurst an sich war saftig und punktete durch ein ausgeglichenes Verhältnis aus Salz, Pfeffer und anderen Gewürzen. Auch die grobe Bratwurst stand der feinen Variante in nichts nach, wenngleich sie mit 2.80 Euro 30 Cent teurer war als ihr feinerer Kollege. Mit einer noch stärkeren Pfeffernote präsentierte sich auch diese Bratwurst mit einem gelungenen Zusammenspiel der Gewürze. Zwar waren beide etwas fettig, aber das trübte den sehr guten Gesamteindruck der beiden Bratwürste nicht. Zum Ende der Hinrunde konnte sich die Bratwurst aus Haiger auf Platz eins in meiner exklusiven Bratwursttest-Tabelle einreihen. Das Team des TSV erhielt im Kampf um den vordersten Platz in der offiziellen Tabelle allerdings einen Nackenschlag. Der SC Hessen Dreieich siegte nach einem Tor von Toni Reljic mit 1:0 in Mittelhessen, beförderte sich auf Nichtabstiegsplatz 15 und fuhr am 1. Dezember 2018 den ersten Auswärtssieg seiner Regionalliga-Geschichte ein.

Doch auch wenn die eine Stadionwurst besser, die andere eher schlechter wegkommt: Ähnlich wie in der Vereinswahl sind auch die Geschmäcker der Fans verschieden, weshalb sich jeder einmal selbst durch die Wurstpalette der Regionalliga-Südwest probieren sollte. Denn der Test hat gezeigt: Auch bei einem jetzt nicht ganz so überragenden Spiel der eigenen Mannschaft, kann eine gute Bratwurst die Laune spürbar aufheitern.

(tw)

  • Vitus Eichner 27. Januar 2019 at 20:02

    Toller Beitrag!
    Aber was sollen die Veganer*innen dazu sagen. Nächstes mal bitte Alternativen!!1!

    Sonst wars aber interessant. Ich mag ja bekanntlich Würste. Lecker (:

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